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16.7.2019 : 4:41

Partner in Bulgarien - FSODSGP

I. Struktur und Organisation, Probleme und Herausforderung

Die Föderation der Gewerkschaften in der Forst- und Holzverarbeitungsindustrie (FTUOFWI) is eine freiwillige Organisation der Arbeitnehmer in der Forstwirtschaft, der Holzverarbeitung und der Möbel- und Zellulosepapierproduktion in Bulgarien.
Die Föderation ist ein  Mitbegründer und Mitglied der größten Gewerkschaftsorganisation in Bulgarien, der Konföderation unabhängiger bulgarischer Gewerkschaften (CITUB-KNSB).
Die Föderation erfüllt ihre Aufgaben im Einklang mit der Verfassung des Landes, der bulgarischen Gesetzgebung und dem internationalen Arbeitsrecht sowie der internationalen Charta der Menschenrechte, der europäischen Gesellschaftscharta und den eigenen Statuten.
Die Föderation bestimmt ihre Ziele, Aufgaben und Strukturen unabhängig und auf der Grundlage des eigenen Statuts. Die Aktivitäten der Föderation und ihrer Teilglieder unterstehen ausschließlich der Kontrolle ihrer Mitglieder.
Die vier Teilbereiche sind in einer übergeordneten Gewerkschaft vertreten, um die Gleichbehandlung und positive Organisationsbedingungen für die gleichberechtigte Repräsentation und die Wahrung der Interessen von Arbeitnehmern in allen vier Teilbereichen gleichermaßen sicherzustellen ist. Jeder der einzelnen Zweige bildet einen eigenen Branchenrat für die betriebliche Arbeit an spezifischen Problemen des Sektors. Die Branchenräte diskutieren alle wichtigen Anliegen und Fragen, die sie für die Gesamtheit der Föderation vorschlagen. Die Arbeit und Verwaltung der einzelnen Teilbereiche werden von der Föderation finanziert.
Die TUFWPI umfasst insgesamt 149 Gewerkschaften, die 7033 Mitglieder bei einer Gewerkschaftsdichte von 14,5% vertreten. Sie sind in vier Zweige unterteilt: Forstwirtschaft, Holzverarbeitung, Möbel- und Zellulosepapierproduktion.

II. Geschichte

2009 wird das hundertjährige Bestehen der Föderation gefeiert. Während dieser Zeitspanne hat sich die Gewerkschaftsbewegung in unserer Branche wie folgt entwickelt:

  • 1909: Gründung der Zimmermannsgewerkschaft
  • 1919: Gründung der Gewerkschaft der Forstarbeitergewerkschaft
  • 1944: Gewerkschaft der Arbeiter und Angestellten in Land- und Forstwirtschaft
  • 1950: Die Zimmermannsgewerkschaft und die Gewerkschaft der Arbeiter und Angestellten in Land- und Forstwirtschaft verschmelzen
  • 1964: Teilung in die Forst- und Holzwirtschaftsgewerkschaft und die Gewerkschaft der Agrarwirtschaft
  • 1990: Änderung des Namens - die Gewerkschaft der Holzwirtschaft und Holzverarbeitenden Industrie vertritt alle Teilbereiche, die mit dem Rohstoff Holz in Verbindung stehen.

III.: Teilbereiche und Hauptaktivitäten der Föderation

Die Föderation ist in mehrere Ebenen unterteilt, von der Basisebene der Gewerkschaftsorganisation, über territoriale und Branchenebenen bis hin zur nationalen Ebene.
Auf Unternehmenslevel ist das höchste Gremium der grundlegenden Gewerkschaftsorganisa-tion die Allgemeine Mitgliederversammlung. Die Mitgliederversammlung entscheidet über alle grundlegenden Fragen der Organisation und wählt das ausführende Organ, das Gewerkschaftskomitee, die Vertreter der einzelnen Teilbereiche und das Kontrollorgan der Finanz-kontrollkommission.
Auf regionaler Ebene zielen die regionalen Versammlungen darauf ab, den größtmöglichen Vorteil für die Koordination der Gewerkschaftsaktivitäten zu erreichen.
Auf dem Branchenlevel liegt der Schwerpunkt auf der Sicherstellung von Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und gleichberechtigte Vertretung und Schutz der Interessen der Branche im Rahmen der Föderation. Die Sektorgewerkschaften wählen aus ihren Reihen einen repräsentativen Ausschuss, der spezifische Sektorenthemen bearbeitet.
Das übergeordnete Gremium der Föderation ist der Kongress. Der Kongress verabschiedet den Bericht der Föderationsaktivitäten, Trends, Programme, etc., verändert und adaptiert Zusätze zum Statut und wählt die Leitungen der Föderation, der Finanzkontrollkommission und die Vertreter in den Gremien der CITUB.
Die Vorstandsmitglieder werden vom Kongress gewählt und sichern die Einhaltung des im Statut festgelegten Engagement der Föderation zu und lösen weitere Fragen der Gewerkschaftsorganisation und der Mitglieder.
Die Legislaturperiode in allen Gremien beträgt fünf Jahre.
Die Föderation finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge, die 1% des Nettogehalts der Mitglieder betragen.
Die Föderation gehört zu den wenigen Gewerkschaftsstrukturen, die bereits 1990 einen Fond für die gegenseitige Hilfe gegründet haben. Jedes Mitglied hat das Recht, in den folgenden Fällen finanzielle Unterstützung zu erhalten.

  • Ausgleich für Streiks und Arbeitsstreits
  • Ausgleich für Krankheiten oder finanzielle Schwierigkeiten
  • Ausgleich für die Pensionierung

Die Regeln für den Erhalt von finanziellen Hilfen und Ausgleichszahlungen wird von spezifischen Regelungen bestimmt, die vom Vorstand angewandt werden. Die Anwendung der Re-geln wird dem Gremium für das Sozialfondmanagement übertragen, in dem alle Sektoren vertreten sind.
Die Föderation bietet fachlichen Beistand bei Fragen der Arbeitszulassung und Arbeitsstreits. Seit 1992 hat sie trotz aller Schwierigkeiten und Probleme ohne Unterbrechungen die Tarifverträge in allen Teilbranchen ausgehandelt, nahm an Drei-Parteien-Gesprächen mit Vertre-tern der Regierung und der Wirtschaftsvertretern teil, sowohl auf nationaler wie auf Unter-nehmensebene und sehr oft gingen von ihr neue Diskussion zu bestimmten Themen, die für die vertreten Branchen von großer Bedeutung sind, aus. Zudem wurden Demonstrationen, Kundgebungen und Streiks organisiert, wie etwa der Streik der Forstarbeiter 2007 nachdem mehrere Versuche zu einem Verhandlungslösung für die sozialen und ökonomischen Proble-me gescheitert waren. Der Streik war erfolgreich. Die Föderation nimmt auch an nationalen und regionalen Protesten teil, die von der CITUB organisiert werden.
Die Föderation richtet ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildung und Weiterbildung wie auch den Informationsstand der Gewerkschaftsmitglieder. Einer der Kernbereiche der Föderationsarbeit ist der Schutz der Interessen der Beschäftigten in den Betrieben.
Die folgenden Weiterbildungen werden angeboten:

  • Workshops, Trainingsprogramme einschließlich Fallbeispiele und Prüfungen des Wissenstands und der Möglichkeiten der praktischen Anwendung
  • Entsprechende Fortbildungsmaßnahmen
  • Fernbildung etc.

Die meist diskutierten Themen sind:

  • Tarifverhandlungen, Verhandlungsstrategien und Taktiken
  • Kommunikationsprozesse und die Struktur von Kommunikationsstrategien
  • Interne Regelungen der Föderation und ihre Anwendung
  • Änderungen der nationalen Gesetzgebung
  • Gesundheits- und Arbeitsschutz etc.

Die Föderation nimmt am BWI Projekt für die Ausbildung von Trainern teil und hat ein Angebot an eigenen Ausbildern entwickelt
Die Föderation veröffentlicht Informationsmaterialien, die über die Gewerkschaftsstrukturen berichten.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Gesundheitsschutz und Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeiter da in allen vier Branchen die Unfallsrate das Doppelte des landesweite Durchschnitts beträgt. Unsere Föderation bietet spezielles Training für Gewerkschaftsfunktionäre, Gesundheits- und Arbeitsschutzkomitees und die Vereinheitlichung der Gesundheitsschutz- und Sicherheitsstandards in den Holzverarbeitenden Industrien an. Die Föderation arbeitet mit den zuständigen Gremien und den Arbeitgeberverbänden daran, gangbare Lösungen für die Gesundheits- und Sicherheitsprobleme zu finden um die Arbeiter und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu schützen.
Mit der Aufnahme unseres Landes in die EU sieht sich die Föderation neuen Herausforderun-gen gegenüber. Wir sind sicher, dass die gute Gewerkschaftskooperation zwischen den euro-päischen Gewerkschaftsstrukturen, der Austausch von Informationen, best-practise Beispielen und anderem nützlichem Wissen dazu beitragen wird, dass wir in Zukunft die Aufgaben und Verpflichtungen der Föderation noch besser erfüllen können.