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23.5.2017 : 12:54

Es ist die Arbeit, die die Werte schafft ...

(04.06.2008) Das Thema "Arbeit und Innovation" stand im Mittelpunkt des INNOTrans-Workshop, der am 18./19. Mai 2008 in Rom stattfand. Teilgenommen haben 27 Gewerkschafter aus sechs europäischen Ländern. Erstmals mit dabei: Betriebsräte und Gewerkschafter aus nationalen Branchenunternehmen. "Wenn die menschliche Arbeitskraft zu einem bloßen Kostenfaktor im wirtschaftlichen Kalkül um höhere Umsätze und Renditen verkommt, dann schadet dies der Wertschöpfung im  Unternehmen und nimmt diesem die Zukunfts- und Entwicklungsfähigkeit." - so Reinhard Hahn vom IGM Vorstand Frankfurt in der Einführung zum Workshop. Dies führt zu der Frage: Was können arbeitspolitische Innovationen bewirken, um gleiche und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu schaffen und die sich auch für die Unternehmen durch mehr Qualität, höhere Standards, bessere Prozesse und effizientere Leistungen "bezahlt" machen?

Eröffnet wurde dieses 3. Netzwerktreffen europäischer Gewerkschafter aus der Holz- und Möbelbranche mit einleitenden Thesen von Reinhard Hahn, Bereichsleiter Handwerk / Betriebspolitik KMU / Maschinenbau beim Vorstand der IG Metall Frankfurt zum Stellenwert von "Arbeit und Innovation".  Sein Fazit: Wer die Beschäftigungs- und Wettbewerbsfähigkeit stärken will muss das Entwicklungstempo bei Investition und Innovation erhöhen. Wie in nahezu allen KMU-Sektoren so  fehlen auch in der Holz- und Möbelbranche allzu oft systematische Unternehmensplanungen und nachhaltige Produktentwicklungen. Zukünftige Anforderungen an Technik, Qualifikation von Beschäftigten und Management, Organisation der Produktion und Produktentwicklung werden nicht in strategischen Zusammenhängen behandelt. "Innovationen sind die Voraussetzung, um wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen und um Arbeitsplätze zu schaffen. Nur so kann die europäische Möbelindustrie im globalen Zusammenhang bestehen. Dabei geht es nicht allein um innovative Produkte, neue Materialien und moderne Technik. Unter Innovationspolitik verstehen wir insbesondere auch die Erneuerung von Arbeitsprozessen. Gerade auf diesem Feld ist der Nachholbedarf enorm groß.  (...) Die demographische Entwicklung macht vor den Betrieben nicht halt. Älter werdende Belegschaften stellen für die Zukunft eine besondere Herausforderung dar. Für die Qualifizierung wird zu wenig getan! Die Anforderungen an die humane Gestaltung der Arbeitsplätze, konkret an den Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Betrieben, werden größer. (...) Aufgabe der Gewerkschaften ist es, dort aktiv zu sein, wo sie direkt eingreifen können - am Standort, im Konzern, innerhalb der Branche. Wenn wir in Europa gleiche Lebens- und Arbeitsstandards erreichen wollen, dann müssen wir unsere Forderungen solidarisch abstimmen und diese auch länderübergreifend organisieren. Deshalb plädieren wir für eine europäische Offensive zum Thema 'Gute Arbeit'. Auf dieser Basis werden wir auf die kommenden Herausforderungen und Risiken im europäischen Holz- und Möbelsektor mit handlungsfähigen Strategien der Arbeitsplatzsicherung zu tariflichen Standards und mit gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen antworten können."

Ausgehend von dieser Positionsbestimmung haben die Partner das Thema "Gute Arbeit" aus dem Blickwinkel vorhandener Stärken und Schwächen in den Branchenunternehmen länderbezogen analysiert und davon abgeleitet gemeinsame Ansatzpunkte für das Innovationsfeld "Gute Arbeit" entwickelt. Entscheidend hierbei war die Konzentration auf solche betrieblichen Fragen, die für die Herstellung gleicher und besserer Arbeitsstandards in Europa entscheidend sind und die durch gewerkschaftliches Handeln aktiv mitgestaltet werden können.

Arbeitspolitische Verbesserungen im Sinne von "Gute Arbeit" sind europäische Standortvorteile im globalen Wettbewerb. Dazu zählen u.a.:

  • "Gesunde Arbeit" - meint ein die Gesundheit erhaltendes Arbeitsumfeld durch die Vermeidung von Unfallrisiken, den Abbau psychischen und physischen Belastungen und die Verringerung gesundheitlicher Gefährdungen am Arbeitsplatz
  • "Arbeit mit Mass" - macht begrenzte und planbare Arbeitszeiten mit ausreichenden Erholungs- und Regenerationsphasen erforderlich
  • "Qualifizierte Arbeit" - durch eine systematische Weiterbildung und die Vermittlung von neuen Qualifikationen, die zukünftig gebraucht werden und die der Beschäftigungs- und Standortsicherheit langfristig nutzen.  

Die gemeinsame Diskussion der länderübergreifend vorhandenen Ansatzpunkte für "Gute Arbeit" brachte das Zwischenergebnis, die Weiterarbeit im Branchennetzwerk auf das Kernthema "Ausbildung, Qualifizierung, Weiterbildung" zu konzentrieren. Dabei sind die nationalen Ansatzpunkte durchaus verschieden. Im Bereich Ausbildung und Qualifizierung reichen die vorhandenen Instrumente von tariflichen und betrieblichen Vereinbarungen bis hin zu umlagefinanzierten Ausbildungsfonds in Italien und Dänemark. Wie erfolgreich diese Instrumente tatsächlich sind und wie diese bei den Beschäftigten ankommen - diese Fragen werden die Projektpartner in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.  Dafür werden z.B. nationale Betriebs- und Branchenvereinbarungen allen Partnern zugänglich gemacht und auf mögliche Übertragbarkeiten hin überprüft.

Ziel der Weiterarbeit im Projekt ist es, mit betrieblichen (Länder-)Beispielen vorhandene "Gute Arbeit-Initiativen" wechselseitig bekannt zu machen, Transferwege im Netzwerk zu organisieren und einen europäischen Aktionsrahmen für "Gute Arbeit" als eine gewerkschaftliche Offensivstrategie in der europäischen Branchenpolitik zu schaffen.
(Gisbert Brenneke)

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